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Essay: Am Ende des Hindernisparcours?

Robert Fuchs und Arnd Kolb

Am Ende des Hindernisparcours?

Neue Zeiten und neue Konzepte für ein ›zentrales Migrationsmuseum‹ in der Migrationsgesellschaft

DOMiD, das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V., ist seit über 25 Jahren auf dem Weg zu einem Haus, in dem sich die Gesellschaft als Migrationsgesellschaft entdecken und erleben kann.1 Der Verein wurde 1990 gegründet und ist die erste Institution, die seitdem zur Einwanderung nach Deutschland sammelt, bewahrt, forscht und aus-stellt. Lange Jahre fehlte in Deutschland der politische Wille zur Umsetzung eines ›zentralen Migrationsmuseums‹.2 Die gesellschaftliche Lage hat sich seit damals verändert. Auch die Perspektiven, die Narrative und die Erzählweisen, die der Verein als maßgeblich für einen solchen Ort ansieht und die er mitprägend in die entsprechenden Debatten eingespeist hat, haben sich entwickelt. Alle diese Veränderungen verdichten sich in einem neuen Aufschlag für ein zentrales Museum.

Die Musealisierung der Migration hat in den letzten Jahren vermehrt Interesse hervorgerufen.3 Der vorliegende Artikel zeigt, worin aus Sicht des DOMiD noch Leerstellen bestehen, worin sich entsprechend unser Ansatz von denjenigen anderer Institutionen unterscheidet und weshalb mehr denn je die Notwendigkeit besteht, ein zentrales Haus umzusetzen. Dazu gliedert sich der Text in drei Abschnitte: Der erste Teil verdeutlicht den immer noch gegebenen Bedarf. Der zweite Abschnitt skizziert anhand der Vereinsgeschichte beziehungsweise der internen Planungen für einen solchen Ort die konzeptionellen Entwicklungen seit der Vereinsgründung. Daraus leitet sich der dritte Teil ab, der aktuelle Fragen und konzeptionelle Überlegungen skizziert, wie ein zentrales Migrationsmuseum nach den Vorstellungen des DOMiD aussehen kann. Die Grundlage für den ersten und den letzten Abschnitt bildet ein Einblick in die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die 2016 für ein solches Haus von DOMiD in Auftrag gegeben wurde.

Konjunktur und Leerstelle


In Deutschland gibt es inzwischen Museen, die sich mit Migration als Hauptthema beschäftigen, allerdings haben diese entweder einen Fokus auf bestimmte Formen der Migration oder einen besonderen Orts- und/oder Ge-bäudebezug.4 Hinzu kommen wenige Bezirks- bzw. Stadtmuseen, die Migrationsgeschichte als selbstverständlichen Teil einbinden und diese mit innovativen Mitteln präsentieren.5 Generell stellen diese regional fokussierten Ansätze keine Konkurrenz zu einem zentralen Migrationsmuseum mit bundesweitem Blickwinkel dar, sondern vielmehr ergänzend eine wichtige Etablierung des Themas auf kommunaler Ebene. Der Blick auf das Feld der Sonderausstellungen zum Thema Migration zeigt, dass hier die Aktivitäten zugenommen haben und wichtige innovative Ansätze zu finden sind.6 Mit Bezug auf eine gesamtgesellschaftliche Perspektive können diese als wichtige Impulsgeber verstanden werden, zeigen aber gleichzeitig das Fehlen eines zentralen Migrationsmuseums auf. In den Häusern mit einem Anspruch auf die Deutungshoheit über das ›nationale‹ Metanarrativ scheint das Thema noch immer nicht angemessen wahrgenommen beziehungsweise in den Dauerausstellungen umgesetzt zu werden.7 Mit Blick auf die Tradition der Institution Museum als Ort der Selbstvergewisserung einer homogen gedachten nationalen Identität stehen diese dabei vor besonderen Herausforderungen, denn letztlich geht es darum, genau die Residuen nationalstaatlicher, bürgerlicher oder männlicher Identitätsproduktion zu überwinden.8 Das leitet über zur Frage nach der Berechtigung eines zentralen Migrationsmuseums. Worin sieht DOMiD diese begründet? Was muss ein neu gegründetes Haus ausmachen? Zunächst ist festzuhalten, dass die oben genannten Entwicklungen in der deutschen Museumswelt in eine als positiv zu wertende Richtung laufen. Allerdings scheint der Fokus vieler Dauerausstellungen dabei auf der Ebene der Wissensvermittlung zu liegen. Dies ist eine zentrale Funktion, greift aber vor dem Hintergrund wachsender Diversität der Gesellschaft zu kurz: Wir leben in einer Migrationsgesellschaft, die hochgradig von Mobilität geprägt ist. Wirtschaftliche, sozio-kulturelle und politische Dimensionen der Migration prägen unseren Alltag.9 In vielen Großstädten wird heute schon jedes zweite Kind mit ›Migrationshintergrund‹ geboren.10 Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher (kultureller, aber auch sozialer) Herkunft bedeutet, dass sie die Ereignisse, die diese Gesellschaft betreffen, aus ihren spezifischen Perspektiven wahrnehmen und erinnern.11 Die Erinnerung wiederum steht in Zusammenhang mit Fragen der Identität und damit eines Zugehörigkeitsgefühls.12 Insbesondere die institutionalisierte Erinnerungskultur in Deutschland, wie sie sich in Geschichtsbüchern, Museen, Gedenktagen und Gedenkstätten ausdrückt, verfolgt häufig noch immer einen monoperspektivischen Ansatz, der zumeist von einer gültigen ›deutschen‹ Geschichte ausgeht.13 Dieser Ansatz schließt Teile der Bevölkerung von der historischen Erinnerung aus, was wiederum fatale Folgen haben kann: Wer keine An-knüpfungspunkte in der historischen Erinnerung einer Gesellschaft, in der er/sie aufgewachsen ist, findet, kann schwerlich eine Verbundenheit zu die-ser aufbauen. Das gilt für die gesamte Bevölkerung, die sich vor dem Hintergrund ihrer Heterogenität der Normalität von Migration bewusst werden und ein neues Geschichtsbild verinnerlichen muss.14 Christoph Cornelißen führt dazu aus: »Ohne Zweifel ist aber schon heute deutlich zu erkennen, dass die hermetischen und meist nur auf die eigene Gemeinschaft bezogenen Metanarrative nationaler Erinnerungskulturen ihre Existenzberechtigung verloren haben.«15 Letztlich stellt sich vor dem Hintergrund der Diversität 11 der Migrationsgesellschaft die Frage nach dem Subjekt entsprechender Narrationen der ›deutschen‹ Geschichte.16Museen können bei der Vermittlung von Wissen und bei der Bildung ei-nes historischen Narrativs der Migrationsgesellschaft, das möglichst vielen Gruppen die Teilhabe an Geschichte ermöglicht, eine zentrale Rolle einnehmen. Mark Taylor fasst das Potenzial mit Blick auf die demografische Entwicklung zusammen: »Zu viele Menschen fühlen sich vom Mainstream ausgeschlossen und stehen dem Unbekannten feindselig gegenüber. Museen sind ein einzigartiger Ort, an dem sie Vertrauen und Wertschätzung erfahren können und an dem mangelndes Wissen ausgeglichen werden kann – und das nicht nur auf passive Weise. Museen können Dialog und Diskussionen fördern und nach draußen in die Gemeinden gehen.«17 Dies gilt umso mehr für ein Haus mit dem Anspruch, die Migrationsgesellschaft der Gegenwart in ihrer Genese und Wandelbarkeit darzustellen.18 Einem solchen Ort kommt neben der Wissensvermittlung und der Funktion, Impulse zur Herausbildung eines alternativen gesamtgesellschaftlichen Narrativs zu setzen, zudem eine erweiterte Repräsentationsfunktion zu. Zum einen gilt dies für die Präsentation eines sich ändernden Selbstverständnisses der Gesellschaft nach außen und zum anderen zur Sichtbarmachung und Anerkennung der Folgen von Migration und der Migrant_innen sowie ihrer Nachfahr_innen.19 Dieser dreifachen Herausforderung stellt sich DOMiD. Vor dem Hintergrund des oben dargestellten Bedarfs einer geänderten Erinnerungspolitik in Deutschland ergeben sich dabei mehrere Punkte: DOMiD geht es neben der Wissensvermittlung um die Repräsentation – die wiederum Partizipationsangeboten einen zentralen Stellenwert einräumt – und um die Darstellung eines alternativen Geschichtsbildes. Nicht die Reproduktion bestehender nationaler ›Wir-und-Die-Denkmuster‹, sondern die Forcierung eines alternativen Narrativs muss das Ziel eines neuen Hauses sein. Daher kann es kein Einwanderungsmuseum – das Fakten zur Einwanderung vermittelt – und auch kein Museum der Migration – das Wissen über 16 Migrationsformen und -typen vermittelt – sein. Das sind wichtige Aspekte, die abgedeckt werden müssen, aber den zentralen Bezug oder Ausgangspunkt muss die heutige Migrationsgesellschaft und das Zusammenleben in dieser darstellen. Daraus ergibt sich ein überregionaler, bundesweiter Ansatz. Dies bildet ein Kernargument für eine zentrale Lösung: Die Aufnahme des Themas Migration als Querschnitt-Thema in Regionalmuseen ist ein wichtiger Schritt, aber Impulse zur Herausbildung eines alternativen Geschichtsnarrativs können in ganz anderer Art und Weise von einem zentralen Haus ausgehen, das zudem die Funktion der Repräsentanz einer Migrations-gesellschaft auf anderer Ebene erfüllt.20Die Migrationsgesellschaft muss dabei selbstverständlich kritisch betrachtet werden. Rassismus, Exklusion und soziale Benachteiligung können nicht ausgeblendet werden.21 Neben die klassische Vermittlungsfunktion tritt das Selbstverständnis des Museums, als eigenständiger Akteur an der Entwicklung der Gesellschaft teilzuhaben.22 Das führt notwendigerweise auch zu einer Modifikation der Institution Museum in Bezug auf die Zusammensetzung bzw. die Sensibilisierung der Mitarbeiter_innen, Hierarchien sowie Partizipation.23 Hier bietet eine Neugründung wiederum Chancen, da keine der in einer etablierten Institution bestehenden Narrative und Strukturen aufgebrochen werden müssen. DOMiD als von unten gewachsene Institution, die über starke Wurzeln in verschiedenen ›Migrantencommunities‹ verfügt, bietet sich für die Umset-zung eines solchen Hauses an. Warum dies so ist, wird aus der Geschichte des Vereins und der ihn begleitenden, sich stets wandelnden Konzepte für einen solchen Ort deutlich.

Vom Rand ins Zentrum

DOMiD wurde 1990 von türkeistämmigen Migrant_innen gegründet. Heute bildet DOMiD mit seiner Mitglieds- und Mitarbeiterstruktur einen Quer-schnitt durch die Migrationsgesellschaft und verfügt über eine bundesweit 20 einzigartige Sammlung zur Migrationsgeschichte.24 Neben der Dokumentation bildete das Streben nach einem Migrationsmuseum schon früh eines der Kernziele des Vereins. Im Folgenden werden die sich wandelnden Konzepte, die DOMiD im Lauf eines Vierteljahrhunderts für ein solches Haus entwi-ckelte, dargestellt. In den 1980er Jahren entstand zunächst die Idee, ein öffentlich zugängli-ches Archiv über die Migration aus der Türkei zu schaffen.25 Hintergrund bildete die Beobachtung, dass sich viele türkeistämmige Einwander_innen, die als ›Gastarbeiter_innen‹ gekommen waren, dauerhaft niederließen. Lang-fristig wurde bereits ein Museum für Bildungsarbeit angedacht. Dieses hatte von vornherein eine europäische Perspektive, denn ursprünglich sollte es sich um ein europaweites Zentrum handeln.26 Dieser Plan erwies sich aber zunächst als nicht umsetzbar. 1990 kam es dann zur Gründung von DOMiT e.V. – dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration aus der Türkei –, wobei das T im Namen genau auf diesen Schwerpunkt verwies.27 Gründungsmitglieder waren hauptsächlich türkeistämmige Intellek-tuelle. In den ersten Jahren nach der Gründung konzentrierte sich die Tätigkeit des Vereins auf den Aufbau einer Sammlung und die Sicherstellung der eigenen Existenz. Gesammelt wurden dabei ausschließlich Dokumente, Erinnerungsstücke, Objekte, Fotos, Film- und Tondokumente zur Migration aus der Türkei nach Deutschland.28 Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Vereins war dann die Aus-stellung ›Fremde Heimat. Eine Geschichte der Einwanderung aus der Türkei 24 Yaban, Sılan olur. Türkiye’den Almanya’ya Göçün Tarihi‹ 1998 in Essen.29 Chronologisch präsentierte diese anhand von Exponaten staatlicher Provenienz und persönlicher Erinnerungsstücke die Einwanderung aus der Türkei. Die Ausstellung war aus verschiedenen Gründen bemerkenswert: Zum einen ging sie auf eine Kooperation zwischen DOMiD und dem Ruhrlandmuseum zurück. Die Zusammenarbeit eines etablierten Museums mit einem Migrantenverein stellte damals ein seltenes Verfahren dar, zumal DOMiD nicht bloß die Objekte lieferte, sondern gleichberechtigt an der Konzeption beteiligt war. Hierdurch ergab sich zum anderen, dass die Ausstellung doppelper-spektivisch angelegt war. Sie setzte bewusst verschiedene Sichtweisen mit-einander in Bezug und initiierte damit eine Diskussion über unterschiedliche Erinnerungskulturen.30

Es folgten zahlreiche weitere Ausstellungen und Projekte.31 Einen ersten Anlauf für ein dauerhaftes Migrationsmuseum unternahm DOMiD 2002.32 Die Zeit schien damals günstig: Die Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts, Diskussionen über ein Zuwanderungsgesetz, kulturpolitische Debatten und beispielsweise die Rede von Johannes Rau beim Historikertag 2002 in Halle an der Saale – er sprach die Geschichte als Möglichkeit zur Bildung von Identität in der Einwanderungsgesellschaft an – waren Zeichen dafür, dass sich in Teilen der deutschen Gesellschaft der Gedanke, ein Einwanderungsland zu sein und einer entsprechende Kulturpolitik zu bedürfen, durchsetzte.33 Der nordrhein-westfälische Landtag hatte bereits 2001 in einem Entschließungsantrag die Einrichtung eines Migrationsmuseums gefordert, und auch die SPD-Bundestagfraktion diskutierte im Jahr 2000 die Errichtung eines solchen Ortes.34 Diese Konstellation veranlasste DOMiD im Oktober 2002, eine erste Tagung zur Schaffung eines Migrationsmuseums zu initiieren. Im darauffolgenden Jahr diskutierten Interessierte bereits konkrete Konzepte und im September 2003 gründeten Repräsentanten verschiedener ›Migrantencommunities‹ und Menschen ohne ›Migrationshintergrund‹ den Verein »Migrations-museum in Deutschland«, um notwendige Netzwerk- und Lobbyarbeit zu leisten.35

Wie sahen die konzeptionellen Überlegungen für ein solches Haus aus? Der damalige Geschäftsführer Aytaç Eryılmaz führte dazu aus: »Nach diesen ermutigenden Erfolgen ist es für DOMiT an der Zeit, die Zusammenar-beit mit anderen Migrantencommunities zu suchen, um auf der Basis der bisher ge-sammelten Erfahrungen ein gemeinsames Archiv und Museum zu Geschichte der Migration in Deutschland zu schaffen. Dabei müssen Migrant_innen und Migranten die Aufarbeitung ihrer Geschichte selbst in die Hand nehmen, damit ihre Perspektive auch ausreichend reflektiert und dargestellt wird. Eine Geschichtsschreibung über Migration, die nicht auch die Sicht der Migranten berücksichtigt, liefert nur ein einsei-tiges Bild. Das heißt jedoch nicht, dass Migrationsgeschichte nur eine Sache der Migranten selber ist – im Gegenteil, sie ist eine gemeinsame Geschichte: Nicht nur das Leben der Migranten hat sich verändert, sondern auch die deutsche Gesellschaft ist durch Migrationsprozesse in vielfältiger Weise geprägt und verändert worden.«36 Das heißt zunächst, dass an einer multiperspektivischen beziehungsweise zu diesem Zeitpunkt an einer doppelperspektivischen Herangehensweise – die Migranten und die deutsche Gesellschaft – festgehalten wurde. Es ging aber bereits um die gemeinsame Geschichte der Gesellschaft, wenn auch noch eine dichotome Trennung in ›Die‹ und ›Wir‹ basierend auf der Herkunft durchklang. Zu den Inhalten hieß es weiter: »Ein Zentrum bestehend aus Archiv, Museum und Bildungsmöglichkeiten zu gründen, das alle Bereiche der Migration gleichzeitig behandelt, erscheint für den Anfang als eine außerordentlich schwierige Aufgabe – schließlich ist ›Migration‹ ein sehr weitrei-chender Begriff, der auch die Geschichte und Lebenswelten von Vertriebenen, Aussiedlern, Kriegsflüchtlingen, Asylbewerbern und weiteren Gruppen umfasst. Zu Beginn sollte deshalb aus pragmatischen Gründen ein Schwerpunkt auf die Arbeitsmigration der Nachkriegszeit gesetzt werden, insbesondere also auf die Arbeitsmigration aus den Anwerbeländern Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei, Jugoslawien, Marokko, Tunesien und Südkorea in die Bundesrepublik – aber auch auf die Arbeits-migration in der DDR.«37 Das heißt, die Fokussierung auf die Migration aus der Türkei wurde auf andere Gruppen erweitert, dabei aber nur die Arbeitsmigration der Nachkriegszeit und ihre Folgen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland in den Fokus genommen, wobei der Blick auch die Nachkommen der Arbeitsmigrant_innen umfasste. Obwohl von einem Migrationsmuseum gesprochen wurde, sollte der Ort mehrere Funktionen erfüllen: 35 »Danach soll ein Migrationsmuseum nicht nur die Bereiche Archiv und Museum beinhalten, sondern auch ein Zentrum für die Geschichte und Kultur der Migration sein, das Bildungs- und Forschungsmöglichkeiten anbietet und die Bereiche Kunst und Kultur fördert. Als Kern des Zentrums sollte im Museumsbereich eine Dauerausstellung über die Geschichte der neueren Migration präsentiert werden, eine ergänzende Wan-derausstellung zugleich aber eine bundesweite Präsentation ermöglichen. Darüber hinaus sollte das Zentrum Räumlichkeiten für Wechselausstellungen und Veranstal-tungen anbieten.«38 Mit diesen Forderungen – Interdisziplinarität, Trennung in permanente und temporäre Flächen, Überlegungen zu einer bundesweiten Präsenz – wurden damals bereits Ansprüche formuliert, die nach wie vor zentrale Aspekte einer Museumsneugründung betreffen. Zum Standort herrschten ebenfalls klare Vorstellungen: Gedacht wurde an einen »repräsentativen Ort in günstiger Lage in einer Großstadt. Die gelegentlich schon vorgeschlagene Ansiedlung in mehrheitlich von Migranten bewohnten und benachteiligten Stadtarealen wird der gesellschaftlichen Bedeutung des Themas hingegen nicht gerecht.«39 Auch heute hält DOMiD eine von vielen Migrationsformen geprägte Großstadt für einen idealen Standort. Das Gesagte heißt auch, dass neben der Bewahrung, Forschung und Vermitt-lung insbesondere auch eine Anerkennung durch Sichtbarmachung bedacht wurde. Die Ausführungen zeigen, dass sich aus dieser Vielzahl von Funktionen und Anforderungen die Frage stellte, inwieweit von einem Museum oder doch eher von einem Zentrum gesprochen werden sollte. Die Zeit war damals noch nicht reif für einen solchen Ort. Die Verwirklichung scheiterte 2003 bereits bei dem Versuch, die für eine Machbarkeitsstudie notwendigen Mittel einzuwerben.40 Mit den Ergebnissen dieser Studie sollte dann um die eigentliche Finanzierung des Projekts geworben werden. Trotz dieser Widrigkeiten verstanden die Initiatoren auch das nächste große Projekt DOMiDs als weiteren Schritt in Richtung eines Migrationsmuseums41: Das »Projekt Migration« realisierte DOMiD in Kooperation mit dem Kölnischen Kunstverein, dem Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt am Main sowie dem Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich.42 Förderer dieses mehrjährigen interdisziplinären Forschungsprojekts war die Kulturstiftung des Bundes. Das Ergebnis umfasste neben einer Ausstellung eine Vielzahl von Veranstaltungen wie beispielsweise Kunstaktionen und Filmprogramme. Die Arbeiten behandelten sämtliche Wanderungsbe-wegungen nach West- und Ostdeutschland von 1955 bis 2005: von der Arbeitsmigration verschiedener Gruppen bis zu Geflüchteten und Asylsuchenden. Gleichzeitig thematisierte die Ausstellung die gesellschaftsverän-dernden Wirkungen von Migration und präsentierte ein von Migration mit-geprägtes Deutschland und Europa. Darüber hinaus entwickelte sie aus der Betrachtung von Geschichte und Gegenwart die Frage nach der Zukunft einer Migrationsgesellschaft. Damit ging DOMiD weit über die bis dahin formulierten inhaltlichen Aspekte hinaus und verließ auch konzeptionell die chronologische beziehungsweise am Migrationsprozess orientierte Darstel-lungsweise, indem thematische Einheiten die Gliederungsfunktion übernahmen. Erstmals wurden zudem neben historischen Exponaten auch Kunstwerke präsentiert. Ging es zuvor darum, Migration im Zusammenhang der bundesdeutschen Geschichte zu zeigen, rückten »die ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen in Folge der Migration sowie ihre transnationalen Dimensionen in den Vordergrund«.43 Durch die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher ›Migrantencommunities‹ konnte zudem die Sammlung ausgeweitet werden. Nach dem »Projekt Migration« folgten weitere Ausstellungen und Bemühungen zur Umsetzung eines zentralen Hauses. In zahlreichen Publika-tionen und auf Tagungen skizzierte DOMiD seine Ansprüche an eine solche Institution beziehungsweise an Ausstellungen zur Migration allgemein.44 Im Jahr 2009 wurden dabei für die Ausstellungspraxis vier wesentliche Punkte herausgehoben. Ausstellungen sollten erstens national homogene Deutungsangebote hinterfragen und möglichst überwinden sowie sich kritisch mit rassistischen Denkmustern und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinandersetzen. Sie sollten sich zweitens kritisch mit der Macht von Bildern beschäftigen und diese dekonstruieren. Drittens sollten sie vermitteln, dass kulturelle Identitätskonstruktionen in der Migrationsgesellschaft auf Heterogenität basieren. Und viertens sollten in Projekte zur Migration verschiedene Blickwinkel einfließen, insbesondere auch diejenigen von Migrant_innen un-terschiedlicher Herkünfte und Generationen.45An diesem letzten Punkt deutet sich ein Wandel der Auffassung an, wer für die Aufarbeitung von Migrationsgeschichte zuständig sei. 2003 schienen dies noch die Migrant_innen selber zu sein. Als diese und andere Fragen 2012 im Rahmen der Tagung ›Stand der Dinge. Sammlung und Darstellung der Migrationsgeschichte‹ diskutiert wurde, galten die Errichtung eines Migrationsmuseums und die Darstellung von Migrationsgeschichte als ge-samtgesellschaftliche Aufgaben. Die Beteiligung möglichst aller relevanten Akteur_innen und Expert_innen bei der Umsetzung eines Museums der Migrationsgesellschaft war zu einer Kernforderung avanciert.46 Seit 2012 hat sich DOMiD, im Rahmen seiner Möglichkeiten und Ressourcen, noch breiter aufgestellt47: Das gilt auch für die Sammlung, die mittlerweile Exponate zur Einwanderung nach Deutschland (West und Ost) von 1945 bis heute umfasst und damit auch zu Geflüchteten beziehungsweise Vertriebenen, Aussiedler_innen, Spätaussiedler_innen, Asylantragstellenden und Menschen mit multilokalen Lebensweisen. DOMiD gibt eine wissenschaftliche Buchreihe heraus, die zuletzt die Einwanderung aus Korea und Vietman behandelte.48 Der Verein ist Ansprechpartner bei zentralen Gedenk-feiern wie derjenigen 2014 zur Erinnerung an den 50. Jahrestag der Ankunft des ›einmillionsten Gastarbeiters‹ 1964. In ähnlicher Weise bildete die Ausstellung »Facetten der Migrationsgeschichte« den Rahmen der Würdigungsfeier zum 60. Jahrestag des Beginns der ›Gastarbeiteranwerbung‹ im Dezember 2015 im Bundeskanzleramt. Zunehmend begleitet DOMiD zudem Medienproduktionen.49 Mit der Konzeption und der derzeitigen Umsetzung des Virtuellen Migrationsmuseums erweiterte DOMiD sein Know-how ins Digitale und konnte neuerlich starke Aufmerksamkeit von Fachwelt und Öffentlichkeit für das Projekt eines Migrationsmuseums wecken.50

Auch vor diesem Hintergrund stehen die Chancen für eine Umsetzung heute besser als je zuvor. DOMiD konnte, anders als in den 2000er Jahren, die finanziellen Mittel für eine Machbarkeitsstudie einwerben und mit der Bundestagspräsidentin a.D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth eine prominente Schirmherrin für das Projekt gewinnen.51 2015 startete das Projekt mit einer Pressekonferenz unter dem Titel ›Auf dem Weg zum deutschen Migrationsmuseum‹.

Der Blick in die Zukunft

Abschließend lassen sich die Chancen und Herausforderungen der Neu-gründung eines Migrationsmuseums aufzeigen. Dabei wird deutlich, wie komplex die Fragen sind, die von der Machbarkeitsstudie zu beantworten waren. Aus der oben dargestellten Entwicklung ergeben sich zentrale Punkte, die für DOMiD bei der Umsetzung wichtig sind und die entsprechend den Rahmen der Machbarkeitsstudie bildeten. Diese betreffen zunächst die zentralen Botschaften: Migration hat prägende Effekte auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und stellt einen Normalfall der Geschichte dar. Auch wenn sich diese Einsicht in der akademischen Migrationsforschung bereits durchgesetzt hat, lässt sich die Anerkennung dieses Befundes noch nicht verallgemeinern. Gesamtgesellschaftlich ist es zentral für das zukünftige Zusammenleben, dass das nationale Metanarrativ multiperspektivisch gedacht wird und sich dies entsprechend in der Erinnerungspolitik manifestiert. DOMiDs Haltung basiert dabei auf der Überlegung, dass es nicht ›die‹ eine deutsche Geschichte gibt. Vielmehr ist Geschichte multiperspektivisch zu denken. Dies soll sich auch in der Ausstellung widerspiegeln, die unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen soll. Wie erlebten beispielsweise die Kinder italienischer Einwander_innen die Fußballweltmeisterschaft des Jahres 2006 oder welche Rolle spielt die Wiedervereinigung für türkische Einwander_innen und ihre Nachfahren? Es geht um die Darstellung der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, deren Selbstverständnis von Multiperspektivität bestimmt ist – dieses ist plural, flexibel und in ständiger Wandlung. Für die Ausstellung ist zudem eine kritische Haltung zentral. Diese muss sich auf die inhaltlichen Aussagen über den Zustand der Migrationsgesell-schaft, die Behandlung von Fragestellungen zu Rassismus und sozialer Benachteiligung sowie die Dekonstruktion von Begriffen und Konzepten, wie beispielsweise ›Nation‹, ›Grenzen‹ oder ›Integration‹ beziehen.52 Dabei soll das Haus ein lebendiger Ort des Dialogs und produktiver Debatten über Migration und die Migrationsgesellschaft sein.53 In der Vernetzung durch in-terdisziplinäre Kooperationen – wie beispielsweise mit der bildenden und darstellenden Kunst – sieht DOMiD nach dem ›Projekt Migration‹ große Potenziale, eine Lebendigkeit zu kreieren, die über den Ausstellungsbetrieb hinaus in die Gesellschaft wirkt. Zudem sind auch internationale Kooperationen anzustreben, da in der Migrationsgesellschaft, aktuellen Entwicklungen zum Trotz, letztlich die Überwindung des ›Nationalen‹ angelegt ist.54Durch den starken Bezug zur Gegenwart liegt der anvisierte zeitliche Schwerpunkt auf einer Perspektive von 1945 bis zur Gegenwart. Räumlich soll sich die Dauerausstellung entsprechend auf Deutschland in seinen heutigen Grenzen fokussieren, wobei transnationale Aspekte nicht ausgeblendet werden dürfen.55 Temporäre Ausstellungen bieten dabei Möglichkeiten, den zeitlichen und räumlichen Blickwinkel zu erweitern. Vor diesem Hintergrund sollte die Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten einer Umsetzung ergebnisoffen prüfen, deren notwendige Rahmenbedingungen festlegen und weitere Planungen auf eine belastbare Basis stellen. Dazu mussten insbesondere folgende Punkte geklärt werden: Wie hoch belaufen sich die Kosten für den Aufbau und einen nachhaltigen Betrieb? Wie kann diese Finanzierung gesichert werden – und welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Finanzierungskonzept für die Trägerstruktur? Wie sehen potenzielle Standortvoraussetzungen aus? Was soll wie inhaltlich präsentiert werden? Wie lässt sich Partizipation in verschiedenen Formen sicherstellen? Wie gestaltet sich der Zeitplan für den Aufbau des Museums und wie sehen wichtige Meilensteine aus? Welche Akteure müssen für die Realisierung zu-sammengebracht werden? Die Machbarkeitsstudie hat durch eine Vergleichsanalyse mit bestehen-den Häusern und Projekten die Grundzüge eines Ansatzes erarbeitet, der die zu vermittelnden Botschaften transportieren kann. Das Konzept löst sich von einem chronologisch-thematischen Vermittlungsansatz und stellt stattdessen übergeordnete Konzepte ins Zentrum, die unsere Gesellschaft strukturieren. Dazu zählen Begriffe wie ›Identität‹, ›Nation‹, ›Mobilität‹, ›Wert‹, ›Wahr-nehmung‹, ›Wandel‹, ›Erinnerung‹, ›Fremdheit‹, ›Grenze‹ oder ›Mobilität‹. Dadurch entstehen Konzepträume, in denen eine Vielzahl von Fragestellungen behandelt werden können. Die Nachvollziehbarkeit und Kontextualisie-rung zeitlicher Ereignisse ergibt sich dabei u.a. durch historische Tiefenbohrungen. Mittels solcher abstrakter Konzepte aufgeworfene Fragen können anhand von Exponaten, Interviews mit persönlichen Erinnerungen und anderen Medien aus der Sammlung DOMiDs kritisch aufgearbeitet werden. In der Gesellschaft gängige Vorstellungen und Vorurteile können hinterfragt und damit neue Perspektiven eröffnet werden. Die Vorteile dieses Ansatzes liegen auf der Hand: Migration wird entdramatisiert und nicht mehr als etwas Besonderes – und vielfach negativ Konnotiertes – hervorgehoben, sondern als Teil der gesellschaftlichen Entwicklung interpretiert. Damit kann eine Trennung in ›Die‹ und ›Wir‹ vermieden werden. Dies geschieht beispielsweise, indem nicht mehr nach einzelnen Gruppen getrennt oder nach Unterschieden beziehungsweise dem ausschließlichen Einfluss von Migration auf bestimmte Themen gefragt wird und möglichst alle Teile der Bevölkerung eingebunden werden. Migration ist ein Thema, das viele Bereiche der Gesellschaft berührt. Entsprechend weit ist der inhaltliche Rahmen, der abgedeckt werden muss. Die Konzepträume können mit exemplarischen Inhalten aus diesen verschiedenen Bereichen gefüllt werden, was ständige Aktualisierungen ermöglicht und für Abwechslung sorgt. Mit Blick auf die partizipativen Elemente bietet dieser assoziative Zugang insbesondere für angedachte und weiter unten beschriebene Outreach-Projekte hohes Potenzial. Alle Besucher_innen haben eigene Assoziationen zu den Begriffen. Sie können daher abgeholt, eingebunden und überrascht werden. Weil er nicht mehr an eine chronologische Folge gebunden ist, ist der Ansatz zudem hochgradig modular angelegt. Das lässt der Gestaltung der Räume viel kreativen Platz. Aus diesem Ansatz ergeben sich zudem flexible Möglichkeiten der Umsetzung an einem potenziellen Standort. Die Studie verdeutlicht u.a., dass ein zentrales Haus, das die gegenwärtige Migrationsgesellschaft behandelt, in einer Großstadt oder einem Ballungsraum verortet sein sollte, da sich hier Migrationsprozesse verdichten. Die Stadt sollte möglichst von unterschiedlichsten Migrationsformen geprägt sein – entsprechend über historische Anknüpfungspunkte verfügen – und dies auch zukünftig werden.56 Bei der Standortwahl spielt zudem die geografische Lage eine Rolle, um möglichst viele Menschen zu erreichen und somit eine gesellschaftliche Tiefenwirkung zu entfalten. Eine geografische Randlage kann dabei negative Auswirkungen haben, da das Thema symbolisch in die Peripherie gedrängt und nicht im Zentrum der Gesellschaft verhandelt wird. Um Konkurrenz um Zielgruppen in den Bereichen Finanzierung, Besu-cher_innen und Leihgeber_innen zu vermeiden, müssen zudem die regionale Museumslandschaft und insbesondere die Stadtmuseen mit in den Blick ge-nommen werden. Neben der Museumslandschaft ist auch die mögliche Vernetzung mit anderen kulturellen Akteuren und verschiedenen Communities im Umfeld relevant. In diesem Zusammenhang weist die Studie neben der Notwendigkeit ei-ner breit aufgestellten Sammlung zur Einwanderungsgeschichte auf die Ein-bindung der Eingewanderten und ihrer Nachfahren schon in der Ausstel-lungskonzeption hin. Neben der Würdigung und Repräsentation dieser bis dato unterrepräsentierten Gruppen ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe in allen Museumsbereichen zentral. Vor dem Hintergrund der Anliegen des Museums muss, wie oben angedeutet, Partizipation eine wichtige Position in der Ausgestaltung einneh-men.57 Dabei sollen unterschiedliche Formen in Kombination eingesetzt werden: Bereits im Vorfeld der Eröffnung ist ein Outreach-Programm angedacht, das die Bevölkerung einbindet. Denkbar sind bewegliche Module, die temporär an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Dieses Programm wird auch im laufenden Betrieb aufrecht erhalten. Dies führt zu einem konstanten Zufluss neuer Interviews und Objekte. Zudem ermöglicht es, dass die Institution bzw. die Ausstellung lebendig und an die Gesellschaft rückgekoppelt bleibt. Kooperationsprojekte in verschiedenen Stufen ergänzen das Outreach-Programm, indem Gruppen ins Museum geholt werden, um an Projekten mitzuwirken oder selbstständig Ausstellungen oder Ähnliches durchzuführen. Innerhalb des Museums werden unterschiedliche Formen der Beteili-gung eingesetzt. Diese reichen von der Feedbackabgabe über Meinungsumfragen und Interventionen bis zur Möglichkeit, eigene Geschichten zu hinterlassen. Diese Beteiligung kann und sollte dabei auch auf den digitalen Raum ausgedehnt werden. Das Virtuelle Migrationsmuseum bietet hierzu Anknüpfungspunkte.

Mit den hier skizzierten Ergebnissen der Machbarkeitsstudie hat DOMiD ausgehend von seiner Geschichte und den damit verbundenen konzeptionellen Weiterentwicklungen seine Vorstellungen noch weiter präzisiert und konkretisiert. Die aktuellen politischen Ereignisse und Diskussionen verdeutlichen, wie dringend erforderlich es ist, breiten Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Geschichte der Migrationsgesellschaft zu ermöglichen und die Erkenntnis, dass wir in einer Migrationsgesellschaft leben, in allen Bevölkerungsteilen zu etablieren.58

Zitation

Robert Fuchs und Arnd Kolb: Am Ende des Hindernisparcours? Neue Zeiten und neue Konzepte für ein ›zentrales Migrationsmuseum‹ in der Migrationsgesellschaft, in: Marcel Berlinghoff, Christoph Rass und Melanie Ulz (Hrsg.), Imis-Beiträge, Heft 51/2017, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS): Die Szenographie der Migration: Geschichte. Praxis. Zukunft, Osnabrück 2017, S. 291 – 307.

Fußnoten

1 Der vorliegende Artikel wurde 2015 verfasst und Ende 2016 überarbeitet. Danach folgende Entwicklungen konnten nicht mehr bzw. nur punktuell berücksichtigt werden. Den aktuellen Stand zur Entwicklung DOMiDs bietet die Homepage www.domid.org. – Zur Migrationsgesellschaft und der Notwendigkeit, sich mit dieser auseinanderzusetzen vgl. Brigitte Hasenjürgen, Demokratische Migrationsgesellschaft. Zusammenleben neu aushan-deln, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 13./14. 2013, S. 27–32.

2 Bei der Bezeichnung ›zentrales Migrationsmuseum‹ handelt es sich um einen Arbeitstitel.
3 Vgl. u.a. Joachim Baur, Die Musealisierung der Migration. Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation, Bielefeld 2009, S. 11; Arnd Kolb, Migrations-geschichte im Museum. Herangehensweisen und Perspektiven, in: Henrik Bispinck/Katharina Hochmuth (Hg.), Flüchtlingslager im Nachkriegsdeutschland. Migration, Politik, Er-innerung, Berlin 2014, S. 290–306, hier S. 292; Dietmar Osses, Perspektiven der Migra-tionsgeschichte in deutschen Ausstellungen und Museen, in: Regina Wonisch/Thomas Hübel (Hg.), Museum und Migration. Konzepte – Kontexte – Kontroversen, Bielefeld 2012, S. 69–87, hier S. 69; Lorraine Bluche u.a., Migration – Museum – Partizipation, in: dies. u.a. (Hg.), NeuZugänge. Museen, Sammlungen und Migration. Eine Laborausstellung, Bielefeld 2013, S. 11–22, hier S. 11f.

4 Hierzu zählen beispielsweise das Deutsche Auswanderhaus in Bremerhaven, das mittlerweile auch Einwanderung thematisiert, oder das Museum Friedland.

5 Vgl. Natalie Bayer, Post the Museum! Anmerkungen zur Migrationsdebatte und Museumspraxis, in: Sophie Elpers/Anna Palm (Hg.), Die Musealisierung der Gegenwart. Von Grenzen und Chancen des Sammelns in kulturhistorischen Museen, Bielefeld 2014, S. 63–83, hier S. 76. Bayer nennt als positives Beispiel das Stadtmuseum Stuttgart, das als Leitgedanken die Frage stellt, wie die städtische Entwicklung verlaufen ist und wie die Stadt zukünftig geprägt sein könnte. Migration wird dabei explizit sowohl Teil der Sammlung als auch der Dauerausstellung sein. Vgl. dazu auch Anja Dauschek, »Meine Stadt – meine Geschichte«, in: Wonisch/Thomas (Hg.), Museum und Migration, S. 49–67, hier S. 54f.

6 Vgl. auch den Artikel von Marie Toepper in diesem Heft, die Angaben in Fußnote 3 sowie für die frühe Phase Aytaç Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum. Plädoyer für ein Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik, in: Jan Motte/Rainer Ohliger (Hg.), Ge-schichte und Gedächtnis in der Einwanderungsgesellschaft. Migration zwischen histori-scher Rekonstruktion und Erinnerungspolitik, Essen 2004, S. 305–319, hier S. 312–314; Bayer, Post the Museum!, S. 76–80. Hinzu kommen in jüngerer Zeit u.a. die Ausstellungen ›Das neue Deutschland. Von Migration und Vielfalt‹, die das Deutsch Hygiene Museum Dresden zeigte, und ›Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland‹ des Hauses der Geschichte, die seit 2014 gezeigt wurde. Vgl. hierzu die Kataloge Özkan Ezli/Gisela Staupe (Hg.), Das neue Deutschland. Von Migration und Vielfalt, Konstanz 2014 und Stiftung Haus der Ge-schichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland, Mainz 2014.

7 Bzw. liegt eine Gefahr darin, dass sich diese aus ihrer Verantwortung durch die Entwicklung in den Regional- und Spezialmuseen entlassen sehen. Vgl. Regina Wonisch, Museum und Migration. Einleitung, in: dies./Hübel (Hg.), Museum und Migration, S. 9–32, hier S. 17f. Zum Begriff des Metanarrativs vgl. Naika Foroutan, Integration als Metanarrativ. Kurzdossiers. Bundeszentrale für politische Bildung, http://www.bpb.de/gesellschaft/ migration/kurzdossiers/205197/integration-als-metanarrativ (28.10.2015).

8 Natalie Bayer formuliert treffend: »Von der postmigrantischen Gesellschaft auszugehen bedeutet folglich, die Migration als selbstverständlichen und untrennbaren Bestandteil der gesellschaftlichen Gegenwart und Geschichte zu verstehen; folglich gilt es, die Metanarrative, Perspektiven, Institutionen und Orte des nationalen Selbstverständnisses auf den Kopf zu stellen und neu zu formulieren und damit auch das Museum sozusagen zu postmigrantisieren.« Bayer, Post the Museum!, S. 64, siehe auch S. 81. Vgl. auch Kolb, Migrationsgeschichte im Museum, S. 292f.

9 Vgl. Erol Yildiz, Die weltoffene Stadt. Wie Migration Globalisierung zum urbanen Alltag macht, Bielefeld 2013, S. 9–13.

10 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Migra tionIntegration/ Migrationshintergrund2010220127004.pdf?__blob=publicationFile (28.10.2015).

11 Zum folgenden Abschnitt vgl. auch: Arnd Kolb, DOMiD – Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft, in: Geschichte im Westen (GiW): Zeitschrift für Landes- und Zeitge-schichte, 32. 2017, S. 125–137, hier S. 126, sowie: Viola B. Georgi/Rainer Ohliger, Geschichte und Diversität. Crossover statt nationaler Narrative?, in: dies. (Hg.), Crossover Geschichte. Historisches Bewusstsein Jugendlicher in der Einwanderungsgesellschaft, Bonn 2009, S. 7–24, hier S. 7–11.

12 Vgl. beispielsweise: Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, München 2013, S. 17.

13 Zum Begriff der Erinnerungskultur vgl. grundlegend: Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte. Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: APuZ, 28. 2001, S. 15–30. Zudem: Christoph Cornelißen, Erinnerungskulturen, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012, URL: http://docupedia.de/zg, S. 9 (28.10.2015); Sa-bine Moller, Erinnerung und Gedächtnis, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 12.4.2010, URL: http://docupedia.de/zg/Erinnerung_und_Ged.C3.A4chtnis?oldid=106409, hier insbesondere S. 7 (27.10.2015). Regina Wonisch führt hierzu aus: »Die klassischen nationalen Gedächtnisorte und –rituale sind für Immigranten zumeist nicht anschlussfähig. Sie haben entweder eine andere Perspektive auf eine durchaus geteilte Vergangenheit (Nationalsozialismus) oder gar keinen Bezug zur Vergangenheit der Mehrheitsgesellschaft. Dagegen bringen sie andere historische Erfahrungen mit, für die es keinen Raum gibt.« Wonisch, Museum und Migration, S. 16. Speziell zur Museumslandschaft stellt Natalie Bayer fest: »Die Suche nach Migrationsgeschichte in deutschen Stadt- und Geschichtsmuseen gestaltet sich meistens als wenig ergiebig und frustrierend.« Bayer, Post the Museum!, S. 63.

14 Dieses Geschichtsbild reflektiert eine globalisierte Welt, deren Grundlage »Fremdheits- und Alteritätserfahrungen« sind. Gottfried Korff, Fragen zur Migrationsmusealisierung. Versuch einer Einleitung, in: Henrike Hampe (Hg.), Migration und Museum. Neue Ansätze in der Museumspraxis, Münster 2005, S. 5–15, hier S. 13.

15 Cornelißen, Erinnerungskulturen, S. 9.

16 Vgl. Rainer Ohliger, »Am Anfang war...« Multiperspektivische Geschichtsvermittlung in der Einwanderungsgesellschaft, in: Georgi/Ohliger, Crossover Geschichte, S. 109–127, hier S. 123. Zur Notwendigkeit äußert sich auch Naika Foroutan: Naika Foroutan/Dorte Huneke, »Wir brauchen neue Narrationen von einem pluralen Deutschland« – Interview, in: Dorte Huneke (Hg.), Ziemlich deutsch. Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland, Bonn 2013, S. 43–55.

17 Marl Taylor, Museen in 25 Jahren, in: Robert Gander/Andreas Rudigier/Bruno Winkler (Hg.), Museum und Gegenwart. Verhandlungsorte und Aktionsfelder für soziale Verant-wortung und gesellschaftlichen Wandel, Bielefeld 2015, S. 85–96, hier S. 90. Vgl. auch: So-phie Elpers/Anna Palm, Von Grenzen und Chancen des Sammelns von Gegenwart, in: dies. (Hg.), Musealisierung der Gegenwart, S. 9–28, hier S. 13–15.

18 Vgl. Elpers/Palm, Von Grenzen und Chancen, S. 13–15.

19 Vgl. Korff, Fragen zur Musealisierung, S. 13.

20 Zu dieser Diskussion vgl. Wonisch, Museum und Migration, S. 17–19.

21 Das heißt, dass auch die Gefahr der ›Kulturalisierung‹ sozialer Herausforderungen mit bedacht werden muss.

22 Vgl. Richard Sandell/Eithne Nightingale, Museen, Gleichberechtigung und soziale Ge-rechtigkeit, in: Susan Kamel/Christine Gerbich (Hg.), Experimentierfeld Museum. Internationale Perspektiven auf Museum, Islam und Inklusion, Bielefeld 2014, S. 95–102, hier S. 100f.

23 Susan Kamel spricht bei Modifikationen der Strukturen und Arbeiten im Museumsteam von Inreach-Programmen. Vgl. Susan Kamel, Reisen und Experimentieren, in: dies./Ger-bich (Hg.), Experimentierfeld Museum, S. 383–435, hier S. 417f. »Ein Gradmesser der Veränderung bleibt aber meines Erachtens inwieweit das Museumsteam selber divers ist und nicht mehr den Regeln der Selbstähnlichkeit oder des self clonings folgt«; ebd., S. 418.

24 Den ersten Punkt bestätigte zuletzt der Erhalt des Preises ›Vielfalt gewinnt!‹ der Stadt Köln am 15.9.2015. Die Wettbewerbsjury würdigte, dass sich DOMiDs Arbeit durch einen multiperspektivischen Ansatz auszeichnet, weil Migrationsgeschichte nur unter Bezugnah-me vielfältiger Perspektiven erfasst werden kann. Das spiegele sich im Personalkonzept, das für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mitarbeiter_innen mit und ohne Migrationser-fahrung sorge.

25 Vgl. zum Folgenden: Aytaç Eryılmaz, Von der Migrantenselbstorganisation zum Museum? Vortrag gehalten auf der Fachtagung ›Das historische Erbe der Einwanderer sichern. Die Bundesrepublik braucht ein Migrationsmuseum‹ in Brühl vom 4. bis 6. Oktober 2002.

26 Vgl. Aytac Eryılmaz, Migrationsgeschichte und nationalstaatliche Perspektive in Archiven und Museen, in: Wonisch/Hübel (Hg.), Museum und Migration, S. 33–48, hier S. 33.

27 Die Namensänderung in Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) erfolgte im Jahr 2007. Zum besseren Verständnis wird im Folgenden stets DOMiD verwendet, wenn es sich nicht um Zitate handelt.

28 Dazu führte Eryılmaz aus: »DOMiT will in erster Linie die Migration aus der Türkei durch seine Sammlung bewahren. Es will ihr umfassendes Gedächtnis sein. Dabei darf nicht ausgewählt werden nach richtig oder falsch, politisch oder moralisch, gut oder schlecht. Es darf weder nach nationalen, weltanschaulichen noch nach religiösen Kriterien entschieden werden, ob etwas in die Sammlung gehört oder nicht. Alles, was zur Migration aus der Türkei gehört, muss Eingang in das Archiv finden.« Eryılmaz, Migrantenselbstorganisation, S. 13.

29 Vgl. den Ausstellungskatalog: Aytac Eryılmaz/Mathilde Jamin (Hg.), Fremde Heimat – Yaban, Sılan olur. Eine Geschichte der Einwanderung aus der Türkei, Essen 1998.

30 Vgl. Aytaç Eryılmaz, Migrationsmuseum in Deutschland. Eine zentrale kulturpolitische Aufgabe der nächsten Jahre. Vortrag gehalten auf dem Kulturpolitischen Bundeskongress in Berlin am 27.6.2003 (DOMiD-Archiv, Köln).

31 Vgl. Aytaç Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum. Plädoyer für ein Pa-radigmenwechsel in der Kulturpolitik, in: Jan Motte/Rainer Ohliger (Hg.), Geschichte und Gedächtnis in der Einwanderungsgesellschaft. Migration zwischen historischer Rekonstruk-tion und Erinnerungspolitik, Essen 2004, S. 305–319, hier S. 316.

32 Vgl. ebd., S. 305. Bereits 1980 hatte es einen von Michael Fehr initiierten Anlauf für ein »Museum der Geschichte und Kultur der Arbeitsmigranten« gegeben. Vgl. Michael Fehr, Überlegungen zu einem Migrationsmuseum in der Bundesrepublik, in: Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Hg.), Jahrbuch für Kulturpolitik 2009, Essen 2009, S. 265–270, hier S. 265.

33 Vgl. hierzu Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum, S. 306–310.

34 Vgl. ebd., S. 312.

35 Beide Vereine verschmolzen 2007 zu DOMiD. Dieser Zusammenschluss legte den Grundstein für die breit aufgestellte Mitgliedsstruktur des Vereins.

36 Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum, S. 316f.

37 Ebd., S. 317. Das Ziel war es aber, bereits die Aktivitäten »schrittweise auf alle Bereiche von Migration« auszudehnen. Vgl. ebd., S. 319.

38 Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum, S. 318.

39 Ebd., S. 319.

40 Ein Grund dafür war auch, dass sich das Land NRW dafür entschied, einer dezentralen Lösung der erinnerungspolitischen Verankerung des Themas Migration den Vorzug zu geben. Vgl. Armin Laschet, Eröffnung, in: Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. (Hg.), Inventur Migration. Tagungsdokumentation, Köln 2009, S. 7–13, hier S. 11f. Auch der Bund entschied sich 2003 für eine Förderung der Auswanderungsgeschichte in Bremerhaven. Vgl. Schlutow, Migrationsmuseum, S. 9f.

41 Eryılmaz, Deutschland braucht ein Migrationsmuseum, S. 319.

42 Kölnischer Kunstverein u.a. (Hg.), Projekt Migration, Köln 2005. Vgl. auch Osses, Perspektiven, S. 79f.

43 Aytaç Eryılmaz/Martin Rapp, Wer spricht? Geteilte Erinnerung in der Migrationsgesellschaft, in: Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Hg.), Jahrbuch für Kulturpolitik 2009, S. 271–279, hier S. 278.

44 Eine Publikationsliste findet sich hier: http://www.domid.org/de/publications (27.10.2015).

45 Eryılmaz/Rapp, Wer spricht?, S. 278.

46 Vgl. Aytaç Eryılmaz, Thesen zur Perspektive eines Migrationsmuseums, in: DOMiD (Hg.), Stand der Dinge, Sammlung und Darstellung der Migrationsgeschichte. Symposium am 25.4.2012 im Rautenstrauch-Joest-Museum Köln, Köln 2012, S. 33–35, hier S. 35.

47 Vgl. zum folgenden Abschnitt die Angaben auf der Homepage: www.domid.org (10.11.2015).

48 Vgl. die Bände Jörg Huwer, »Gastarbeiter« im Streik. Die Arbeitsniederlegung bei Ford im August 1973, Köln 2013; Young-Seoun Chang-Gusko/Nataly Jung-Hwa Han/Arnd Kolb (Hg.), Unbekannte Vielfalt. Einblicke in die koreanische Migrationsgeschichte in Deutschland, Köln 2014; Bengü Kocatürk-Schuster/Arnd Kolb/ThanhLong/Günther Schultze/ Sascha Wölck (Hg.), Unsichtbar – Vietnamesisch-Deutsche Wirklichkeiten, Köln 2017.

49 Dazu zählt zuletzt die preisgekrönte Serie Dr. Illegal, die u.a. den Civis Medienpreis er-hielt. Vgl. http://www.drillegal.de/en/neuigkeiten.php (10.11.2015).

50 Vgl. www.virtuelles-migrationsmuseum.org. Die Umsetzung erfolgt 2018 und wird durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und den LVR finanziert.

51 Die Studie wurde mit der Unterstützung durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Natur – Heimat – Kultur und das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) des Landes NRW finanziert und von einer externen Agentur durchgeführt.

52 Zum letzten Punkt führten Eryılmaz und Rapp 2009 aus: »Ethnische Identität, Tradition und Homogenität als soziale Konstruktionen zu hinterfragen und durch Begriffe wie Diffe-renz, Veränderung und Hybridität zu erweitern, gesellschaftliche Zuschreibungen und Machtverhältnisse zu dekonstruieren, sind die Voraussetzungen für die Aneignung von Ge-schichte und die Herstellung ›geteilter‹ Erinnerung.« Eryılmaz/Rapp, Wer spricht?, S. 273.

53 Vgl. Sandra Vacca, Modelle musealer Darstellung von Einwanderung, in: DOMiD (Hg.), Stand der Dinge, S. 50–52.

54 Als Grundlage kann beispielsweise das bereits bestehende komparative Kooperations-projekt ›Blickwechsel Deutschland – Frankreich‹ zwischen der Association Génériques und DOMiD zum Vergleich der Arbeitsmigration in beiden Ländern dienen. Vgl. http://do mid.org/de/projekt/g%C3%A9n%C3%A9riques-und-domid-online-ausstellung-zur-arbeit smigration (10.4.2016).

55 Obwohl Grenzen als fluide betrachtet werden und dies auch thematisiert werden soll, scheint eine Eingrenzung aus ausstellungstechnischen Überlegungen heraus sinnvoll.

56 Die regionale und historische Verankerung sind trotz des gesamtgesellschaftlichen und überregionalen inhaltlichen Bezugs wichtig, um beispielsweise die Akzeptanz in der Stadt-bevölkerung zu sichern und die Funktion der Anerkennung durch Sichtbarmachung zu gewährleisten.

57 Zu Beteiligungsverfahren allgemein vgl. Nina Simon, The Participatory Museum, Santa Cruz, CA 2010.

58 Dieser gesellschaftlichen Relevanz entsprechend, hat die neue Landesregierung in Nordrhein-Westfalen das Projekt in den Koalitionsvertrag aufgenommen.

  • Robert Fuchs und Arnd Kolb: Am Ende des Hindernisparcours? Neue Zeiten und neue Konzepte für ein ›zentrales Migrationsmuseum‹ in der Migrationsgesellschaft

    Anrd Kolb/Robert Fuchs in Imis-Beiträge, Heft 51/2017

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