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Foto: Familienarchiv | Aurora Rodonò

Veranstaltung, Performance-Installation

Videoinstallation: "Die Mutter der L."

In Köln-Ehrenfeld, nördlich der Bahngleise, sitzt das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD). Ein Archiv, das Geschichte aufbewahrt in Schriftstücken, Bildern, Relikten, um eine transkulturelle Erzählung zu schaffen. Südlich der Zugstrecke am Ende der Lichtstraße liegt die Bosnisch Islamische Kulturgemeinschaft 'Gazi Husrevbeg'.
Beide Orte verbindet die in Amsterdam lebende Künstlerin belit sağ in ihrer Video-Installation Die Mutter der L. miteinander, indem sie Erinnerungen aus dem nahegelegenen Archiv hinunter auf die Straße holt und im Innenhof der Kulturgemeinschaft für alle zugänglich macht. Ähnlich einem Triptychon projiziert die Künstlerin Bilder auf die drei Rundbögen der angrenzenden Eisenbahnbrücke.

"Konservieren und Konvertieren"

Ausgangspunkt für sağs künstlerische Annäherung bildet ein Archivfund – Dutzende private Fotos einer Frau aus Jugoslawien, die wohl in den fünfziger Jahren nach Deutschland kam. Durch eines der Kinder wurden die Fotografien Teil der DOMiD-Sammlung, worauf das "L" im Titel des Projekts verweist (es steht für Leihgeber*in, englisch: Lender). Für die ortspezifische Videoinstallation ergänzt die Künstlerin die historischen Dokumente mit neu produziertem Film- und Tonmaterial, das sie während ihrer Rechercheaufenthalte in Köln aufgenommen hat. Hier ist belit sağ auf junge Frauen gestoßen, die im Chor der Bosnisch Islamischen Kulturgemeinschaft Ilahije singen – traditionelle Lieder religiösen Inhalts. Aufnahmen dieser Gesänge sowie Szenen, in denen die jungen Frauen die Posen der Mutter der L. einnehmen, fließen in die Installation ein. belit sağ verdichtet verschiedene Zeiten in einem Raum und stellt Verbindungen zwischen Generationen migrantischer Erfahrungen her. Mit Die Mutter der L. reflektiert belit sağ sowohl den Umgang mit Bildern, Kompositionen oder Dokumenten als auch die Zugänglichkeit von Archiven, indem sie private Originalaufnahmen zum Teil eines öffentlichen Kunstprojekts werden lässt. Als ‚Konservieren und Konvertieren’ beschreibt die Künstlerin diesen rekontextualisierenden Zugriff auf das Material.

Mit: Jasmina Ališić, Ara Dinkjian, Semina Duranović-Omerović, Esma Osmić, Lejla Paratušić und Material aus dem DOMiD-Archiv.

Über die Künstlerin

BELIT SAĞ ist eine in Amsterdam lebende Videokünstlerin. Sie studierte Mathematik in Ankara. Ihre Arbeiten wurden unter anderem bei den Internationalen Filmfestivals in Toronto, Rotterdam und New York präsentiert, im EYE Filmmuseum in Amsterdam, im MOCA, Taipeh und beim Tabakalera Film Seminar in San Sebastián gezeigt.

Programmhinweise

Die Videoinstallation wird erstmalig im Rahmen des CityLeaks Urban Art Festival in Köln zu sehen sein.
Mehr zum Programm des MEMORY LAB auf den Seiten unserer Kooperationspartnerin, der Akademie der Künste der Welt, Köln.
Die Veranstaltung findet sowohl am 20.09.2019 als auch am 21.09.2019 statt.
In einem Talk zwischen Moderatorin Aurora Rodonò und belit sağ und Lejla Paratušić am Samstag, 21.09.2019, geben die Künstlerinnen Einblicke in ihre künstlerische Archivarbeit zwischen Kunst und Aktivismus.

Link zum Facebook-Event

Foto: Familienarchiv | Aurora Rodonò