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Haus der Einwanderungsgesellschaft

Das zentrale Migrationsmuseum

Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft: Migration prägt unseren Alltag. In deutschen Städten wird jedes zweite Kind mit „Migrationshintergrund“ geboren. Die Erkenntnis, dass Migration den Normallfall darstellt, ist aber noch nicht in der Gesellschaft verankert. Die Vermittlung von Wissen um die kulturelle Vielfalt und der Abbau von Vorurteilen sind wichtig für unser zukünftiges Zusammenleben. Ein Haus, in dem Deutschland sich als Einwanderungsland entdecken kann, bietet hierzu die Möglichkeit.

Unser geplantes Haus geht von der Gegenwart aus. Es zeichnet die Entwicklung der Migrationsgesellschaft und ihren ständigen Wandel nach. Die Geschichte unserer Gesellschaft wird multiperspektivisch erzählt und ein neues historisches Narrativ geschaffen. Der Fokus liegt auf der Zeit von 1945 bis heute. Dabei werden alle Migrationsformen behandelt – von Flucht und Vertreibung über Arbeitsmigration, Familiennachzug und Aussiedlung bis zu multilokalen Lebensentwürfen.

Hinzu kommen Exkurse zur Auswanderung, denn Migration ist keine Einbahnstraße und wir beziehen die Herkunftsländer in die Betrachtung mit ein. Die Ausstellung wird als lebendiger Ort konzipiert, in dem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Vermittlung und Erlebnis besteht. Unsere Objekte und Geschichten vermitteln ganz konkret, was Migration bedeutet.

DOMiD: zentraler Akteur der Erinnerungskultur

DOMiD ist der erfahrenste Akteur im Feld der Erinnerungskultur und Musealisierung von Migration in Deutschland. Der Verein wurde 1990 von Migrantinnen und Migranten gegründet, um mit dem Aufbau einer Sammlung zur Einwanderungsgeschichte zu beginnen. Das Ziel war bereits damals der Aufbau eines Migrationsmuseums. Heute bildet DOMiD, was seine Mitglieds- und Mitarbeiterstruktur betrifft, einen Querschnitt durch die Einwanderungsgesellschaft ab und verfügt über eine bundesweit einzigartige Sammlung zur Migrationsgeschichte mit über 150.000 sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlichen Zeugnissen zur Geschichte der Einwanderung in Deutschland (inkl. der ehemaligen DDR). Die Sammlung umfasst neben Zeugnissen zur Migration aus dem Ausland ebenso Exponate zur Binnenmigration von 1945 bis heute und bietet zahlreiche thematische Anknüpfungspunkte, zum Beispiel zu Flucht, Vertreibung, Aussiedlung oder auch multilokalen Lebensweisen.

Bild: D. Hackenberg, DOMiD-Archiv, Köln

Geleistete Vorarbeiten

Basis des Hauses wird DOMiDs Sammlung von über 150.000 Exponaten zur Migrationsgeschichte sein. Seit vielen Jahren wird DOMiD durch das Land NRW gefördert. Im Jahr 2016 beauftragte DOMiD eine durch das Land NRW finanzierte Machbarkeitsstudie für das Migrationsmuseum.


Die NRW-Landesregierung hat das Projekt 2017 im Koalitionsvertrag und im September 2019 in der Teilhabe- und Integrationsstrategie 2030 verankert. Die Stadt Köln hat sich in einem Ratsbeschluss im Februar 2018 für die Ansiedlung des Hauses in Köln ausgesprochen. Ein entsprechender, im Besitz der Stadt befindlicher Standort wurde gefunden und unter Finanzierungsvorbehalt zugesagt. Für diesen Standort wurden von Seiten der Stadt die Kosten ermittelt und die Statik des Gebäudes sowie die bauamtliche Eignung geprüft. Im Juli 2019 wurden die Pläne der Öffentlichkeit präsentiert und in den städtebaulichen Prozess überführt. Im November 2019 erfolgte schließlich die Zusage der Finanzierung durch das Land NRW und den Bund.

Bild: BeL, Sozietät für Architektur

Das inhaltliche Konzept

Ausgehend von der Gegenwart unter ständigem Rückbezug auf gemeinsame Geschichte(n) seit 1945 muss in einem solchen Haus die Vielfalt und Heterogenität in der Gesellschaft anerkannt bzw. präsentiert werden. Aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen und Zugehörigkeiten gibt es nicht ‚die‘ eine deutsche Geschichte. Vielmehr ist Geschichte multiperspektivisch zu denken.

Dies soll sich auch in der Ausstellung widerspiegeln, die unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen soll. Wie erlebten beispielsweise die Kinder italienischer Einwanderer*innen die Fußballweltmeisterschaft 2006 oder welche Rolle spielt die Wiedervereinigung für türkische Einwanderer*innen und ihre Nachfahr*innen? Es geht um die Darstellung der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, deren Selbstverständnis von Multiperspektivität bestimmt ist – diese ist plural, flexibel und in ständiger Wandlung begriffen.

Bild: krafthaus, das Atelier von facts und fiction

Ausgangspunkt ist die Gegenwart

Das geplante Haus bezieht sich auf die gegenwärtige Gesellschaft und verlässt diese Pfade. Dieser Ansatz bietet zahlreiche Vorteile: Zunächst wird Migration entdramatisiert und nicht mehr als etwas Besonderes hervorgehoben, sondern als normaler Teil des übergeordneten Ganzen interpretiert. Damit kann eine Trennung in die „Die“ (Migrant/innen) und „Wir“ (Deutsche), wie sie sich in Ausstellungen zu dem Thema häufig findet, aufgelöst werden. Zudem haben alle Besucher/innen ihre eigenen Assoziationen mit den Begriffen. Sie können abgeholt, partizipativ eingebunden und überrascht werden.

Das Haus behandelt zentrale Fragen des Zusammenlebens: Wie leben wir heute in der Gesellschaft zusammen? Wie wurde und wird diese durch Migration geprägt? Wie soll das zukünftige Zusammenleben aussehen? Die Besucher/innen verlassen die Räume mit einem geänderten oder erweiterten Blick auf die vermeintlich bekannten und unbeweglichen Konzepte und die damit verbundenen Inhalte. Dabei steht Migration nicht als spezifisches Thema im Fokus, sondern wird in übergeordneten Konzepträumen wie ein Leitmotiv verwoben. Viele historische Museen strukturieren ihren Inhalt chronologisch und geben in Themenräumen tiefere Einblicke.

Downloads

  • Broschüre "Haus der Einwanderungsgesellschaft" | DE

    PDF / 5 MB

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