Museum Selma: Neuer Standort in Kölner Innenstadt wird geprüft
17.03.2026
Köln, 17.03.2026 – Das Museum Selma wird nicht am vorgesehenen Standort auf dem Areal Hallen Kalk realisiert. Nach Gutachten und Planungen ist der Bau des Museums dort nicht mit dem zur Verfügung stehenden Baubudget zu realisieren. Als Möglichkeit, das Museumsprojekt noch zu realisieren, kommt eine Ansiedlung im Kulturzentrum am Neumarkt in Frage. Der Träger DOMiD, die Stadt Köln, das Land NRW und der Bund führten dazu erste Abstimmungsgespräche. Der Alternativstandort bietet vielfältige Vorteile für das innerstädtische Kulturquartier am Neumarkt. Die Stadtverwaltung Köln wird dem Rat der Stadt Köln für seine Sitzung am Donnerstag, 19.3.2026, einen entsprechenden Prüfauftrag zur Beschlussfassung vorlegen. Die Zeit drängt: Zum Jahresende drohen die Bundesmittel für das Museum Selma zu verfallen.
Die Steigerungen von Baukosten in Deutschland erschweren derzeit Bauprojekte im gesamten Land. Nun trifft es auch die Pläne für das bundesweite Migrationsmuseum von DOMiD: Das Museum Selma wird nicht wie geplant in der Halle 70 auf dem ehemaligen KHD-Areal Hallen Kalk entstehen.
Robert Fuchs, Geschäftsführer des Trägers DOMiD: „Wir gehen verantwortungsvoll mit Steuergeldern um und müssen daher die Reißleine ziehen. Als die Mittel für den Bau seinerzeit beschlossen wurden, wäre das Museum in der Halle in Kalk realisierbar gewesen. Aufgrund der aktuellen Kostenentwicklung ist das nicht mehr möglich. Wir bedauern das sehr und hätten die kulturelle Weiterentwicklung des Osthofs Kalk gerne weiter unterstützt. Umso glücklicher sind wir über das Angebot der Stadt Köln, die Integration unseres Museums in das Gebäude am Neumarkt zu prüfen.“
Stefan Charles, Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln: „Ein Museum über Migration passt hervorragend in das Zentrum unserer weltoffenen Stadt, die von Migration geprägt ist. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial, das Kulturquartier am Neumarkt mit seinen Museen, der Stadtbibliothek und der Volkshochschule weiter zu stärken.“
Perspektiven von Migrant*innen sind wichtig für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen steht weiterhin hinter dem Projekt. Das freut Mitgründer und Vorstand von DOMiD, Ahmet Sezer: „Wir sind dankbar, dass die Politik uns weiterhin dabei unterstützt, ein Museum zu errichten, das unsere Migrationsgesellschaft angemessen repräsentiert. Vor 35 Jahren begann unser Traum, die Geschichte Deutschlands um die Perspektiven der Menschen zu ergänzen, die hierher eingewandert sind. Angesichts des aktuellen Erstarkens migrations- und demokratiefeindlicher Kräfte ist es umso wichtiger, die Geschichte dieses Landes vielstimmig zu erzählen.“
Vorgeschichte: Von der Finanzzusage bis zur Entwurfsplanung des Projektes in Kalk
2020 hatten der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 44,26 Millionen Euro für das Migrationsmuseum von DOMiD in die Haushalte gestellt. Aus der COVID-19-Pandemie ergaben sich in den Folgejahren immer wieder Verzögerungen, so dass DOMiD erst 2024 mit finanziellen Mitteln ausgestattet die Planungen mit einer Projektsteuerung und einem Generalplanungs-Team vorantreiben konnte. In einem europaweiten Vergabeverfahren beauftragte DOMiD im April 2025 das renommierte und auf Kulturbauten spezialisierte Atelier Brückner als Generalplaner.
Das Projekt gewann nun an Fahrt: In kürzester Zeit wurden ein Entwurf und eine umfassende Planung erstellt, Gutachten beauftragt. Im August 2025 lag die erste Kostenschätzung vor, die aufzeigte, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen, um das Museum in der Halle 70 in Kalk zu realisieren. Der Sanierungsgrad der über 100 Jahre alten Industriehalle war höher als anzunehmen gewesen war. Hinzu kommen die drastisch gestiegenen Baupreise in Deutschland: Die Pandemie, Lieferkettenprobleme, Roh- und Baustoffkostensteigerungen, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und folgende Energiepreiserhöhungen sowie weitere Faktoren haben laut Statistischem Bundesamt zu einer Steigerung von 50% der Bauindexkosten beigetragen (2020-2025). DOMiD suchte unverzüglich das Gespräch mit Stadt, Land und Bundesebene. Nach monatelangen Verhandlungen stand fest: Die hochgerechnet zusätzlichen 33 Millionen Euro, die für den Standort Kalk fehlen würden, können bei der angespannten Haushaltslage von keinem der Akteure aufgebracht werden. Somit konnte DOMiD zwar alle baufachlichen Unterlagen fristgerecht einreichen, aber die Finanzierung der Mehrkosten nicht darlegen. „Wir sind allen Beteiligten dankbar, die sich daraufhin im Bund dafür eingesetzt haben, die Frist zur Einreichung der Antragsunterlagen um ein Jahr auf den 31.12.2026 zu verlängern“, sagt DOMiD-Geschäftsführer Robert Fuchs.
So geht es weiter mit dem Museum Selma
Der Rat der Stadt Köln wird in seiner Sitzung am 19.03.2026 über den Prüfauftrag zur Integration des Museums Selma in das Kulturzentrum am Neumarkt beraten. DOMiD hat dazu Flächenbedarfe an die Stadt Köln übermittelt. Im Anschluss an den Ratsbeschluss würden zahlreiche Prüfungen erfolgen sowie die Aushandlung der Konditionen zwischen der Stadt Köln und den Zuwendungsgebern beginnen. Über das finale Nutzungskonzept, die bauliche Umsetzung und die Konditionen einer Miet- bzw. Nutzungsvereinbarung würde der Rat der Stadt Köln zu gegebener Zeit erneut einen Beschluss fassen. Bis zum Jahresende muss ein prüffähiger Förderantrag abgegeben werden, der eine vollständige Entwurfsplanung und Kostenberechnung enthält, ansonsten verfallen die Fördermittel.
Das Kulturzentrum am Neumarkt wurde 2010 eröffnet und beherbergt derzeit das Rautenstrauch-Joest-Museum, das Museum Schnütgen, den Museumsdienst Köln sowie das FORUM der Kölner Volkshochschule. Angrenzend befinden sich das Hauptgebäude der Volkshochschule und die Zentralbibliothek, die derzeit generalsaniert wird.
Robert Fuchs: „Wenn unser Migrationsmuseum in die Nähe anderer Museen und Bildungsträger rückt, sehen wir große Vorteile für alle Seiten: von inhaltlicher Zusammenarbeit über gemeinsame Raumnutzung bis zu vielfältigen Bildungs- und Vermittlungsangeboten. Hier entstehen hochwertige Angebote zur kulturellen Bildung für eine diverse Stadtgesellschaft. Ein neu entstehendes Drei-Museen-Haus hat das Potenzial, sich zum Magneten für Menschen aus NRW und weit darüber hinaus zu entwickeln.“