Wir trauern um die Schirmherrin unseres Museums: Rita Süßmuth ist gestorben. „Eine tapfere Kämpferin“, „die Nächstenliebende“, „die Standhafte“ – die Überschriften der Nachrufe, die in den Stunden nach ihrem Tod erschienen sind, sprechen eine klare Sprache.
Die Professorin, ehemalige Bundestagspräsidentin und CDU-Bundesministerin ebnete in vielerlei Hinsicht den Weg für gesellschaftlichen Wandel, oftmals gegen Widerstände aus der eigenen Partei.
Als erste Frauenministerin setzte sie sich konsequent für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein, auch im Parlament. Sie kämpfte für körperliche Selbstbestimmung, für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 und für die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Ebenso engagierte sie sich für sexuelle Selbstbestimmung, für die Rechte queerer Menschen und gegen die Ausgrenzung und Stigmatisierung homosexueller Männer während der AIDS-Krise der 1980er-Jahre.
Früh sprach sie sich zudem für ein neues Verständnis Deutschlands aus: Als erste prominente CDU-Politikerin bekannte sich Rita Süßmuth bereits Ende der 1990er-Jahre offen zu Deutschland als Einwanderungsland und plädierte für eine Politik, die Migration nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung begreift.
„Welcher Ort ist besser hierfür geeignet als ein lebendiges Museum?“
Im Jahr 2000 leitete sie eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertinnen-Kommission zu den Rahmenbedingungen von Migration nach Deutschland. Die später als „Süßmuth-Kommission“ bekannte Runde kam zu einer klaren Erkenntnis: Deutschland ist auf Einwanderung angewiesen – ein Selbstbild, das damals insbesondere viele konservative Politikerinnen noch nicht teilten, Rita Süßmuth jedoch schon.
Vor diesem Hintergrund übernahm sie 2015 die Schirmherrschaft für unser Museum. „Es geht um einen Ort, an dem Deutschland sich als Einwanderungsland entdecken und verstehen lernen kann“, sagte sie. „Welcher Ort ist besser hierfür geeignet als ein lebendiges Museum?“ Für die langjährige Unterstützung unseres Vorhabens, ein bundesweites Migrationsmuseum zu errichten, werden wir ihr immer dankbar sein.