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Motivserie "Migrationsgeschichte in Bildern"

Suche nach der "alten Heimat"

Zu Beginn unserer Motivserie "Migrationsgeschichte in Bildern" widmen wir uns einem der ältesten Exponate unserer Sammlung: ein Verzeichnis der ausgewiesenen "Sudetendeutschen" in der hessischen Gemeinde Kehrenbach, angelegt von einem Familienmitglied unserer Leihgeber aus der Familie Rödig.

Zwangsmigration von Deutschen

Verzeichnis der ausgewiesenen "Sudetendeutschen" in der Gemeinde Kehrenbach“, 1946. Faksimile: DOMiD-Archiv, Köln

Die „deutschstämmige“ Familie Rödig musste in der Folge des Zweiten Weltkriegs 1946 über Nacht Kraslice in Tschechien (damals Graslitz) verlassen. Der Vater legte 1946 dieses Heft an, in dem er die Vertriebenen aus Graslitz in seinem neuen Wohnort in Hessen auflistete. Die Tochter versuchte ein Leben lang, die Erinnerung an die „alte Heimat“ wachzuhalten. Sie engagierte sich in Heimatvereinen zu Graslitz und war ein regelmäßiger Gast auf Landsmannschaftstreffen. Noch lange glaubte die Familie, dass sie in die „alte Heimat“ zurückkehren würde.

Nur 24 Stunden nach Erhalt des „Einberufungsscheins“ musste die Familie Rödig wie viele andere Graslitz verlassen. Das was sie mitnehmen durften, war streng festgelegt. Die Kisten – häufig massenweise aus Haustüren gefertigt – wurden den Familien zur Verfügung gestellt. Darin konnte die Familie neben den vorgeschriebenen Sachen auch Fotos aus Graslitz mitnehmen. Alle Erinnerungsobjekte, die mit der Vertreibung zu tun hatten, hat H. Rödig darin sorgfältig aufbewahrt. Die Objekte erzählen uns Geschichten von Zwangsmigration, aber auch von dem Versuch, Erinnerungen wachzuhalten und das Bild einer „Heimat“ zu bewahren.

Leinensack der Familie Rödig, E 1318_0007. Foto: DOMiD-Archiv, Köln

Recherche-Hinweis

In unserer Sammlung befinden sich mehrere Objekte der Familie Rödig. Die handschriftliche Dokumentation zwangsumgesiedelter Familien der „Sudetendeutschen“ in der hessischen Gemeinde Kehrenbach ist nur eines davon. Ebenso finden sich in der DOMiD Sammlung Kisten (E 1318,0001 a-g) und Leinensäcke (E1318, 0007) sowie Ausweispapiere (E 1318,0031 d). Viele der Exponate sind digitalisiert zugänglich in unserem Virtuellen Migrationsmuseum.

Diese Motive gibt es bei uns in der DOMiD-Geschäftsstelle als Postkarten. Gerne könnt ihr diese auch bestellen unter: presse@domid.org. In unserem Jubiläumsjahr 2020 (30 Jahre DOMiD) entstehen zwölf Motive mit Geschichten aus unserer Sammlung.

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