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Motivserie "Migrationsgeschichte in Bildern"

Motivserie "Migrationsgeschichte in Bildern"

Eine Kugel Eis für 10 Pfennig

In unserer Motivserie "Migrationsgeschichte in Bildern" widmen wir uns jeden Monat einem besonderen Exponat aus der DOMiD-Sammlung. Diesen Monat erzählen wir eine Geschichte der italienischen Arbeitsmigration aus den 1950er Jahren. Der Kühlschrank „Eis-Boy“ der Eismacherfamilie Galeazzi verrät uns einiges über Migration in Deutschland.

Aus den Dolomiten nach Harburg

Foto: DOMiD-Archiv, Köln

Die Familie Galeazzi aus Cortina d’Ampezzo eröffnete 1896 in Harburg eine Eisdiele. In diesem Kühlschrank wurde „Eis-Boy“, das erste Eis am Stiel in Harburg, mit Eisblöcken kalt gehalten. Die Eisdiele „Celso Galeazzi“ wurde bis in die 1960er Jahre hinein betrieben. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war es für die Kinder der Umgebung ein Erlebnis, ein Eis bei den Galeazzis zu essen. Sie sparten lange ihr Taschengeld auf und konnten sich meist nur eine Kugel (10 Pf.) der vier verfügbaren Sorten leisten: Erdbeere, Zitrone, Schokolade oder Vanille.

Veränderung des Straßenbilds

Die Familie Galeazzi siedelte sich bereits im 19. Jahrhundert aus den italienischen Dolomiten in Deutschland an. Schon vor dem so genannten deutsch-italienischen Anwerbeabkommen von 1955 fand Migration aus Italien nach Deutschland statt. Italienische Einwanderer*innen prägten ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend das deutsche Straßenbild mit. Italienische Eisdielen stellten ihre Tische auf Straßen und Plätze und luden Besucher*innen zum Verweilen ein. Ein Novum im Nachkriegsdeutschland, das von einem strengen Arbeitsethos geprägt war.

Der Historiker Massimo Perinelli schreibt dazu: „Dies erzeugte einen Aufschrei und bittere Anfeindungen. Dennoch setzte sich das Bild der ewigen Siesta im Süden allmählich auch in der BRD durch. Was uns heute unter dem Begriff der Latte-Macchiato-Kultur selbstverständlich erscheint, und noch in den 1990er Jahren keine Selbstverständlichkeit war, war damals ein Skandal. (…) Die Eisdielen setzten aber schließlich die Eroberung des öffentlichen Raums durch und forderten den Arbeitsdiskurs heraus.“

Foto: DOMiD-Archiv, Köln

Neben dem „Eis-Boy“ befinden sich in der DOMiD Sammlung auch Interviews von Marina Galeazzi (E 1507,0043), deren Großeltern das Eiscafé betrieben sowie das Interview eines ehemaligen Besuchers (E 1507,0042) der Eisdiele. Beide Interviews sind im Virtuellen Migrationsmuseum permanent abrufbar.

Diese Motive gibt es bei uns in der DOMiD-Geschäftsstelle als Postkarten. Gerne könnt ihr diese auch bestellen unter: presse@domid.org. In unserem Jubiläumsjahr 2020 (30 Jahre DOMiD) entstehen zwölf Motive mit Geschichten aus unserer Sammlung.

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